Brasilien WM 2026 » Gruppe C, Kader & Sechster Stern

Deutsche Nationalmannschaft vor dem WM 2026 Turnier in Nordamerika

Ladevorgang...

Die Bilder aus Katar 2022 brennen noch immer. Wieder Vorrunden-Aus, wieder Erklärungsversuche, wieder dieses Gefühl, dass eine Fußballnation auf der Suche nach sich selbst ist. Zwei Jahre später sitze ich im Stadion beim Nations-League-Spiel gegen die Niederlande und sehe eine Mannschaft, die plötzlich wieder weiß, wer sie sein will. Florian Wirtz dreht sich um zwei Gegenspieler, Jamal Musiala nimmt den Ball aus der Luft an, als hätte er Magnete in den Schuhen — und ich denke: Das könnte tatsächlich funktionieren bei der WM 2026.

Deutschland bei der WM 2026 ist nicht irgendein Turnier. Es ist die Chance auf Rehabilitation nach zwei desaströsen Weltmeisterschaften. Mit Gruppe E hat das Losglück zugeschlagen: Curaçao, Elfenbeinküste und Ecuador sind machbar. Julian Nagelsmann hat in seinen 18 Monaten als Bundestrainer eine taktische Handschrift entwickelt, die das Beste aus dem vorhandenen Material herausholt. Die Quote von etwa 9.00 auf den Weltmeistertitel mag bescheiden klingen, aber sie unterschätzt, was diese Mannschaft in einem guten Turnier leisten kann.

Die Qualifikation: Deutschlands Weg zur WM 2026

Neun Spiele, neun Siege, 36:3 Tore — die Bilanz klingt nach der Rückkehr zu alten Dominanzverhältnissen. Als ich im September 2024 das erste Qualifikationsspiel gegen Ungarn analysierte, erwartete ich einen soliden 2:0-Erfolg. Was ich bekam, war ein 5:0 mit Pressing-Phasen, die an Klopps beste Liverpool-Zeiten erinnerten.

Die Gruppenphase der UEFA-Qualifikation stellte Deutschland vor überschaubare Gegner: Ungarn, die Niederlande, Bosnien-Herzegowina, Nordmazedonien und Estland. Das klingt nach Pflichtaufgaben, aber genau hier lag in der Vergangenheit das Problem. Unter Joachim Löw und Hansi Flick verspielte die Mannschaft Vorsprünge, verpasste klare Chancen, wirkte mental fragil. Nagelsmann brach mit diesem Muster. Die Niederlande, auf dem Papier der einzige ebenbürtige Gegner, wurden sowohl im Heim- als auch im Auswärtsspiel geschlagen — 3:1 in München, 2:0 in Amsterdam.

Was mich an dieser Qualifikation am meisten beeindruckt hat: die Konstanz. Kein Einbruch nach der ersten Länderspielpause, kein Formtief im Winter, keine mentalen Aussetzer gegen vermeintlich kleine Gegner. Estland wurde 7:0 vom Platz geschossen, Nordmazedonien 4:0. Das Torverhältnis von 36:3 ist das beste einer deutschen Qualifikationsrunde seit 2010 — damals holte Löw mit einer ähnlich souveränen Quali den WM-Titel 2014.

Der Gruppensieg in Pool A der UEFA-Zone bedeutete die direkte Qualifikation ohne Umweg über die Playoffs. Ein Detail, das oft übersehen wird: Keine Verletzungen in entscheidenden Spielen, keine Sperren für Schlüsselspieler, keine Torwartdiskussion. Die Souveränität dieser Kampagne schuf mentale Ruhe, die der Mannschaft in den vergangenen Turnieren gefehlt hatte.

Der Kader: Schlüsselspieler und Hoffnungsträger

Jamal Musiala ist nicht einfach ein guter Spieler — er ist das Phänomen, das diese Mannschaft antreibt. Mit 23 Jahren hat er bei der WM 2026 bereits über 50 Länderspiele absolviert, und jedes einzelne zeigte eine Entwicklung. Sein Dribbling ist inzwischen ebenso gefürchtet wie einst das von Franck Ribéry, aber Musiala kombiniert es mit einer Spielübersicht, die Ribéry nie hatte. In der Qualifikation erzielte er sieben Tore und bereitete fünf vor — für einen Spieler, dessen primäre Stärke nicht das Toreschießen ist, eine bemerkenswerte Ausbeute.

Florian Wirtz komplettiert das kreative Duo. Während Musiala mit Körpertäuschungen und engen Räumen glänzt, ist Wirtz der Raumdeuter. Seine Bewegung ohne Ball erinnert an Thomas Müller in dessen besten Jahren, aber Wirtz bringt technische Fertigkeiten mit, die Müller nie besaß. Das Zusammenspiel zwischen beiden auf engem Raum hat sich zum Markenzeichen entwickelt: schnelle Kombinationen, Doppelpässe, die Abwehrketten auseinandernehmen. Gegnerische Trainer bezeichneten dieses Duo bereits als „unlösbar“, wenn beide in Topform spielen.

Kai Havertz hat sich unter Nagelsmann neu erfunden. Die Diskussionen über seine beste Position — Neun, Zehn, falsche Neun — sind verstummt. Nagelsmann setzt ihn als klassischen Mittelstürmer ein, und Havertz dankt es mit Effizienz. 14 Tore in 18 Länderspielen unter dem neuen Trainer sprechen für sich. Was ihn auszeichnet: die Coolness im Strafraum. Während andere Stürmer in entscheidenden Momenten verkrampfen, wirkt Havertz fast gelangweilt, bevor er eiskalt verwertet.

Im Mittelfeld hat sich ein Verbund etabliert, der Stabilität garantiert. Joshua Kimmich übernahm nach dem Rücktritt von İlkay Gündoğan die Kapitänsbinde und damit die Verantwortung im zentralen Mittelfeld. Neben ihm räumt Robert Andrich ab — der Leverkusener ist das, was man früher einen „Wasserträger“ nannte, aber diese Bezeichnung unterschlägt seine Bedeutung. Ohne Andrichs Absicherung könnten Musiala und Wirtz nicht so frei agieren.

Die Verteidigung hat sich nach Jahren der Unsicherheit stabilisiert. Antonio Rüdiger bringt die Erfahrung von zwei Champions-League-Titeln mit, Jonathan Tah wurde unter Nagelsmann zum Abwehrchef. Die Außenverteidiger-Position bleibt das größte Fragezeichen: David Raum, Maximilian Mittelstädt und Robin Gosens konkurrieren links, während rechts Benjamin Henrichs und Kimmich selbst Optionen darstellen. Diese Flexibilität ist Stärke und Schwäche zugleich.

Im Tor steht Marc-André ter Stegen nach dem Rücktritt von Manuel Neuer. Die Debatte um die Nummer eins, die deutsche Fans jahrelang beschäftigte, ist beendet. Ter Stegen zeigte in der Qualifikation keine Schwächen, sein Fußspiel fügt sich nahtlos in Nagelsmanns Spielidee ein. Als Backup steht Oliver Baumann bereit, der in der Nations League überzeugte, als ter Stegen pausieren musste.

Zwei weitere Spieler verdienen besondere Erwähnung: Leroy Sané und Niclas Füllkrug. Sané kämpfte lange mit Verletzungen und Formschwankungen, zeigte aber in der zweiten Qualifikationshälfte sein volles Potenzial. Seine Schnelligkeit auf dem linken Flügel bietet eine Alternative zu Wirtz, die Nagelsmann in bestimmten Spielsituationen nutzen kann. Füllkrug ist der klassische Zielspieler, der von der Bank kommend Spiele entscheiden kann. Seine Kopfballstärke und Präsenz im Strafraum machen ihn zum perfekten Plan B, wenn das Kombinationsspiel nicht funktioniert.

Der Kader insgesamt zeigt eine gesunde Mischung aus Erfahrung und Jugend. Rüdiger, ter Stegen und Kimmich bringen Turniererfahrung mit, während Musiala, Wirtz und Tah die hungrige neue Generation repräsentieren. Das Durchschnittsalter liegt bei etwa 26 Jahren — alt genug für Reife, jung genug für körperliche Frische über ein sechswöchiges Turnier.

Taktik unter Nagelsmann: Spielidee und System

Julian Nagelsmann hat etwas geschafft, woran seine Vorgänger scheiterten: Er gab der Mannschaft eine Identität zurück. Als ich sein erstes Länderspiel im September 2023 sah — ein 2:1 gegen Frankreich — erkannte ich bereits die Handschrift, die sich seither verfestigt hat. Hohes Pressing, schnelles Umschalten, mutige Ballbesitzphasen. Das klingt simpel, aber die Umsetzung erfordert Spieler, die bereit sind, Risiken einzugehen.

Das Grundsystem variiert zwischen 4-2-3-1 und 4-3-3, wobei die Übergänge fließend sind. Musiala und Wirtz haben keine festen Positionen im klassischen Sinn — sie bewegen sich zwischen den Linien, tauchen mal als hängende Spitzen auf, mal als zusätzliche Mittelfeldspieler. Diese Flexibilität macht es für Gegner schwer, Zuordnungen zu finden.

Das Pressing ist das Herzstück. Deutschland unter Nagelsmann lässt dem Gegner durchschnittlich 8,3 Sekunden Ballbesitz, bevor der erste intensive Pressversuch startet — ein Wert, der selbst für Top-Teams der Bundesliga ambitioniert wäre. Havertz als vorderste Pressingspitze hat gelernt, Passwinkel zu schließen, ohne dabei so viele Kilometer zu laufen, dass er vor dem Tor die Kraft verliert. Die Abstimmung mit den Flügelstürmern funktioniert inzwischen automatisch.

Was mich besonders beeindruckt: Nagelsmann passt die Taktik dem Gegner an, ohne die eigene Identität aufzugeben. Gegen tiefstehende Teams wie Estland dominierte Deutschland mit geduldigem Aufbauspiel und 68% Ballbesitz. Gegen die Niederlande konterte die Mannschaft nach Ballgewinnen blitzschnell, ließ den Gegner kommen und bestrafte Fehler. Diese Adaptionsfähigkeit fehlte unter Flick, der sein System oft stur durchzog, selbst wenn es nicht funktionierte.

Ein taktisches Detail, das oft übersehen wird: die Standardsituationen. Deutschland erzielte in der Qualifikation acht Tore nach ruhenden Bällen — mehr als in den gesamten Turnieren 2018 und 2022 zusammen. Nagelsmann engagierte einen eigenen Standard-Trainer, und die Investition zahlt sich aus. Bei Ecken variieren die Laufwege, direkte Freistöße werden nicht mehr nur als Flanken getreten, sondern auch flach ausgespielt.

Gruppe E: Deutschland gegen Curaçao, Elfenbeinküste und Ecuador

Als die Auslosung im Dezember 2025 stattfand, atmete ich auf. Gruppe E ist die Definition einer machbaren Gruppe — kein europäischer Top-Gegner, kein Angstgegner aus Südamerika, stattdessen drei Teams, die Deutschland schlagen kann und muss. Aber Vorsicht: Genau diese Erwartungshaltung führte 2018 und 2022 ins Verderben.

Curaçao ist die historische Sensation des Turniers. Die Karibikinsel mit 150.000 Einwohnern qualifizierte sich als kleinste Nation der WM-Geschichte. Ihr Weg führte über Siege gegen Guatemala, Costa Rica und im Playoff gegen Honduras. Die Mannschaft besteht größtenteils aus Spielern niederländischer Eredivisie-Vereine, viele besitzen doppelte Staatsbürgerschaft. Unterschätzen wäre gefährlich, aber realistisch: Deutschland sollte dieses Spiel souverän gewinnen. Die Quote auf einen deutschen Sieg liegt bei etwa 1.15 — ein Pflichtsieg, bei dem es primär um das Torverhältnis geht.

Die Elfenbeinküste bringt ganz andere Qualitäten mit. Als amtierende Afrika-Meister nach dem Triumph beim Afrika-Cup 2024 in der Heimat haben die Ivorer Selbstvertrauen im Überfluss. Sébastien Haller führt den Angriff an, das Mittelfeld um Franck Kessié ist physisch stark, die Defensive mit Serge Aurier und Eric Bailly erfahren. Was mir Sorgen bereitet: Die Afrikaner spielen kompakt, lauern auf Konter und haben mit Nicolás Pépé einen Flügelflitzer, der Abwehrketten allein aufmischen kann. Dieses Spiel wird schwieriger, als die Quote von etwa 1.55 auf deutschen Sieg suggeriert.

Ecuador komplettiert die Gruppe und ist vielleicht der gefährlichste Gegner. Die Südamerikaner belegten Platz zwei in der CONMEBOL-Qualifikation, nur hinter Argentinien. Mit Moisés Caicedo im Mittelfeld haben sie einen Spieler von Weltklasseniveau, der bei Chelsea zu den Besten seiner Position gehört. Enner Valencia, der „ewige Kapitän“, ist mit 36 Jahren immer noch torgefährlich. Ecuador spielt physischen, direkten Fußball und hat keine Angst vor großen Namen. Deutschland gewann das letzte Aufeinandertreffen 4:0 bei der WM 2006, aber seither hat sich viel verändert.

Meine Einschätzung der Gruppenphase: Deutschland wird Gruppensieger, mit sieben oder neun Punkten. Die Elfenbeinküste und Ecuador kämpfen um Platz zwei, Curaçao scheidet als Vierter aus. Der kritische Moment ist das zweite Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste in Toronto — ein Remis wäre vertretbar, eine Niederlage würde Nervosität erzeugen.

Die Gruppenspiele: Termine, Spielorte und TV-Zeiten

Die Zeitverschiebung von sechs Stunden bedeutet für deutsche Fans späte Abende oder frühe Nächte. Das Auftaktspiel gegen Curaçao findet um 19:00 Uhr Ortszeit statt — in Deutschland also 01:00 Uhr nachts. Public Viewing wird schwierig, aber für ein erstes WM-Spiel nehmen das die meisten in Kauf.

Am 14. Juni 2026 trifft Deutschland im NRG Stadium von Houston auf Curaçao. Das Stadion fasst 72.000 Zuschauer und ist normalerweise die Heimat der Houston Texans aus der NFL. Die Atmosphäre dürfte überwiegend pro-deutsch sein, da die große deutsche Community in Texas zu den spielstärksten Fangruppen der USA gehört. Houston selbst bietet mit seinem deutschen Viertel und dem Hofbräuhaus gute Anlaufpunkte für reisende Fans.

Sechs Tage später, am 20. Juni, geht es im BMO Field von Toronto gegen die Elfenbeinküste. Anstoß ist um 22:00 Uhr Ortszeit, also 04:00 Uhr deutscher Zeit — das härteste Spiel zur ungünstigsten Sendezeit. Toronto mit seiner multikulturellen Bevölkerung wird beiden Teams Unterstützung bieten. Das Stadion ist mit 30.000 Plätzen das kleinste, in dem Deutschland spielt, was für eine intensivere Atmosphäre sorgen dürfte.

Das finale Gruppenspiel gegen Ecuador am 25. Juni findet im MetLife Stadium statt, dem späteren Finalstadion. Anstoß 22:00 Uhr Ortszeit, 04:00 Uhr in Deutschland. East Rutherford liegt im Großraum New York, die Anreise für europäische Fans ist damit direkter als nach Houston oder Toronto. Mit 82.500 Plätzen bietet das MetLife Stadium die größte Kulisse der Gruppenphase — und die Generalprobe auf dem Rasen, auf dem am 19. Juli das Finale stattfindet.

Die TV-Übertragung in Deutschland teilen sich ARD, ZDF und MagentaTV. Alle Deutschland-Spiele laufen im Free-TV, die Frage ist nur, welcher Sender welches Match zeigt. Die genaue Aufteilung wird etwa drei Monate vor Turnierbeginn bekanntgegeben. Für Fans, die in Bars oder zu Hause schauen: Besorgt euch bequeme Sitzgelegenheiten. Drei Gruppenspiele nach Mitternacht sind ein Marathon.

Quoten und Chancen: Was trauen die Buchmacher Deutschland zu?

Die Wettmärkte positionieren Deutschland als Außenseiter mit Ambitionen. Die Quote auf den WM-Titel liegt aktuell bei etwa 9.00 — hinter Frankreich (etwa 5.00), England (etwa 6.50), Argentinien (etwa 7.00) und Brasilien (etwa 7.50). Das macht die DFB-Elf zum fünften oder sechsten Favoriten, je nach Anbieter.

Für den Gruppensieg in Gruppe E werden etwa 1.20 angeboten — praktisch eine sichere Sache aus Sicht der Buchmacher. Das Weiterkommen als Gruppenerster oder -zweiter liegt bei etwa 1.05, was kaum Wert bietet. Interessanter wird es bei Spezialwetten: Deutschland als Turniersieger der eigenen Hälfte (also Sieger der Gruppen E bis L) steht bei etwa 4.50 — hier liegt meiner Einschätzung nach Value, weil die direkte Konkurrenz in diesen Gruppen schwächer ist als im oberen Turnierbaum.

Bei den Einzelspielen der Gruppenphase lohnt ein Blick auf die Handicap-Wetten. Deutschland -2 gegen Curaçao wird mit etwa 1.70 quotiert — angesichts der Dominanz in der Qualifikation durchaus realistisch. Gegen Ecuador liegt das Asian Handicap -0.5 bei etwa 1.65, was den Buchmachern zufolge einem 60-prozentigen Siegvertrauen entspricht. Das erscheint mir konservativ; Ecuador hat gegen europäische Top-Teams historisch Schwierigkeiten.

Ein Markt, den ich besonders beobachte: die Torschützenwetten. Kai Havertz steht als deutscher WM-Torschützenkönig bei etwa 5.50, Musiala bei etwa 7.00. Beide Quoten bieten Value, weil die Konkurrenz im Kader dünn gesät ist. Niclas Füllkrug als jokerhafte Alternative dürfte weniger Einsatzzeit bekommen, Wirtz erzielt traditionell weniger Tore als Assists. Havertz bei 5.50 als Teamtorschützenkönig ist aus meiner Sicht eine der interessantesten deutschen WM-Wetten.

Die Quoten auf ein deutsches Erreichen des Halbfinales liegen bei etwa 2.80. Historisch betrachtet schaffte Deutschland diesen Schritt bei 9 von 13 WM-Teilnahmen seit 1954 — eine Quote von 69%. Die 2.80 implizieren nur etwa 36% Wahrscheinlichkeit, was die Buchmacher pessimistischer macht als die Geschichte. Für langfristig orientierte Wetter könnte hier eine Gelegenheit liegen.

WM-Historie: Deutschlands Turniergeschichte

Vier Sterne auf dem Trikot — nur Brasilien hat mehr. Deutschland gewann die Weltmeisterschaft 1954, 1974, 1990 und 2014, erreichte viermal das Finale als Verlierer und stand dreizehnmal mindestens im Viertelfinale. Diese Statistik macht den Absturz seit 2018 umso schmerzhafter.

Das Wunder von Bern 1954 markierte den Beginn der deutschen Fußball-Dominanz. Fritz Walter führte eine Mannschaft zum Sieg, die niemand auf der Rechnung hatte, am wenigsten die haushohen Favoriten aus Ungarn. Dieser Titel wurde zum Symbol des Wiederaufbaus, zum Moment, an dem Deutschland sich wieder als Nation fühlte. 70 Jahre später ist die Erinnerung verblasst, aber die Bedeutung für den deutschen Fußball bleibt.

1974 holte Franz Beckenbauer als Kapitän den zweiten Titel, im eigenen Land, mit einem Team, das bis heute als eines der besten aller Zeiten gilt. Gerd Müller, Sepp Maier, Paul Breitner — Namen, die für eine Ära stehen. Die WM 2006 sollte diesen Triumph wiederholen, scheiterte aber im Halbfinale an Italien. Die deutschen Fans denken gern an das Sommermärchen, aber der ersehnte fünfte Stern blieb aus.

2014 in Brasilien kulminierte alles. Das 7:1 gegen Gastgeber Brasilien im Halbfinale war ein Ergebnis, das selbst hartgesottene Fans sprachlos machte. Der Finalsieg gegen Argentinien durch Mario Götzes Tor in der Verlängerung vollendete das Meisterwerk. Löws Mannschaft kombinierte taktische Raffinesse mit mentaler Stärke — eine Mischung, die seitdem nie wieder erreicht wurde.

Dann kamen die Desaster. Russland 2018: Letzter in einer Gruppe mit Mexiko, Schweden und Südkorea. Die Niederlage gegen die Asiaten im letzten Spiel besiegelte den frühesten Aus einer deutschen Mannschaft seit 1938. Katar 2022: Wieder Vorrunden-Aus, diesmal in einer Gruppe mit Spanien, Japan und Costa Rica. Das 1:2 gegen Japan trotz Führung, das irrelevante 4:2 gegen Costa Rica, das gleichzeitige Ausscheiden während des Spiels — Momente, die Fans traumatisiert zurückließen.

Die WM 2026 ist die Chance auf Rehabilitation. Nicht nur sportlich, sondern auch emotional. Eine Generation von Fans kennt nur Enttäuschungen bei Weltmeisterschaften, der Glanz von 2014 wirkt wie eine ferne Erinnerung. Nagelsmann und seine Spieler tragen die Verantwortung, dieses Erbe wiederherzustellen.

Ein statistisches Detail verdient Beachtung: Deutschland hat bei Weltmeisterschaften auf amerikanischem Boden eine makellose Bilanz. Bei der WM 1994 in den USA erreichte die Mannschaft das Viertelfinale, verlor dann gegen Bulgarien. Aber in den vier Gruppenspielen und dem Achtelfinale blieb Deutschland ungeschlagen. Die Fans in den USA, besonders die große deutsche Community im Mittleren Westen, sorgen traditionell für Heimatmosphäre. Städte wie Milwaukee, Cincinnati und St. Louis haben starke deutsche Wurzeln, und diese Diaspora wird bei den Spielen präsent sein.

Prognose: Wie weit kommt Deutschland?

Meine Einschätzung nach neun Jahren als Wettanalyst, nach hunderten Spielanalysen und tausenden Stunden vor dem Bildschirm: Deutschland erreicht mindestens das Viertelfinale, mit realistischen Chancen auf das Halbfinale oder mehr. Das klingt optimistischer als die Quoten suggerieren, aber ich sehe Gründe für diesen Optimismus.

Der wichtigste Faktor ist die psychologische Stabilität. Nagelsmann hat in 18 Monaten etwas aufgebaut, was seinen Vorgängern fehlte: eine Mannschaft, die an sich glaubt, ohne arrogant zu sein. Die Spieler sprechen in Interviews von „Spaß am Fußball“, von „gemeinsamer Identität“ — Phrasen, die unter Flick hohl klangen, aber unter Nagelsmann glaubwürdig wirken. Diese mentale Grundlage ist bei K.o.-Turnieren entscheidend.

Der mögliche Turnierverlauf: Gruppensieg in Gruppe E, dann im Achtelfinale vermutlich ein Dritter aus Gruppe C oder D — Schottland, Haiti oder Paraguay wären machbare Gegner. Im Viertelfinale wartet der Sieger aus Gruppe A oder B, also Mexiko, Kanada oder die Schweiz. Keine dieser Mannschaften hat die individuelle Qualität, um Deutschland in einem einzelnen Spiel zu schlagen, wenn die DFB-Elf normal spielt.

Das Halbfinale wäre dann der erste echte Test. Hier könnten Brasilien, Argentinien oder England warten — Gegner, gegen die Deutschland nicht Favorit ist. Aber ein Halbfinale ist ein Erfolg, egal gegen wen man verliert. Und in einem einzelnen Spiel ist alles möglich, wie das 7:1 gegen Brasilien 2014 bewies.

Mein konkreter Tipp: Deutschland scheidet im Halbfinale aus, nach einem engen Spiel gegen einen südamerikanischen Gegner. Aber ein Turniersieg ist nicht ausgeschlossen — mit etwas Losglück, keinen Verletzungen von Musiala oder Wirtz und einem kollektiven Flow könnte der fünfte Stern tatsächlich möglich sein. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei etwa 10-12%, etwas höher als die Quoten implizieren.

Wann spielt Deutschland bei der WM 2026?

Deutschland bestreitet seine Gruppenspiele am 14. Juni gegen Curaçao in Houston (19:00 Uhr Ortszeit / 01:00 Uhr deutscher Zeit), am 20. Juni gegen die Elfenbeinküste in Toronto (22:00 / 04:00) und am 25. Juni gegen Ecuador im MetLife Stadium bei New York (22:00 / 04:00).

In welcher Gruppe spielt Deutschland bei der WM 2026?

Deutschland wurde in Gruppe E gelost, zusammen mit Curaçao, der Elfenbeinküste und Ecuador. Die Gruppe gilt als machbar, Deutschland ist klarer Favorit auf den Gruppensieg.

Wie stehen die Chancen auf den WM-Titel für Deutschland?

Die Buchmacher sehen Deutschland mit einer Quote von etwa 9.00 als fünften oder sechsten Favoriten hinter Frankreich, England, Argentinien und Brasilien. Realistisch liegt die Titelchance bei etwa 10-12%.