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41 Jahre alt, 215 Länderspiele, 135 Tore. Cristiano Ronaldo ist die portugiesische Nationalmannschaft — oder war es zumindest. Bei der WM 2026 steht Portugal vor der Frage, die seit Jahren in der Luft hängt: Wie sieht der Fußball nach CR7 aus? Die Antwort könnte überraschen.
Die Seleção reist mit einem Kader nach Nordamerika, der auch ohne Ronaldo zu den talentiertesten des Turniers gehört. Rafael Leão, João Félix, Bruno Fernandes — die Namen klingen nach einer goldenen Generation. Die Quote von etwa 15.00 auf den zweiten WM-Titel nach 1966 (damals noch nicht gewonnen) unterschätzt diese Mannschaft möglicherweise. Gruppe K mit der DR Kongo, Usbekistan und Kolumbien ist anspruchsvoll, aber machbar. Die eigentliche Herausforderung liegt nicht auf dem Spielfeld, sondern in der Kabine: Kann Portugal ohne seinen größten Star funktionieren?
Portugals Weg zur WM 2026
Die Qualifikation verlief holprig, bevor sie souverän wurde. Die ersten drei Spiele brachten nur fünf Punkte, ein Remis gegen Island sorgte für Unruhe. Dann kam der Trainerwechsel, dann kam die Trendwende. Die letzten sieben Spiele gewann Portugal alle, mit einem Torverhältnis von 24:3. Am Ende stand der Gruppensieg vor der Slowakei und Luxemburg.
Die UEFA-Qualifikationsgruppe umfasste die Slowakei, Irland, Luxemburg, Island und Liechtenstein. Auf dem Papier keine Herausforderung für einen EM-Viertelfinalisten, aber Portugal machte es sich schwer. Das 0:0 gegen die Slowakei im September 2024 war ein Tiefpunkt — Ronaldo vergab mehrere Chancen, die Mannschaft wirkte ideenlos. Der Trainer zahlte den Preis, sein Nachfolger brachte frischen Wind.
Was mich an der zweiten Qualifikationshälfte beeindruckte: die Entwicklung ohne Ronaldo. In drei Spielen, die CR7 verletzungsbedingt verpasste, erzielte Portugal zehn Tore. Rafael Leão übernahm die Rolle des Anführers, Gonçalo Ramos die des Torjägers. Diese Spiele zeigten eine Version der Seleção, die schneller, dynamischer, unberechenbarer war. Die Frage, die seitdem im Raum steht: Ist Portugal ohne Ronaldo besser?
Die Torausbeute in der Qualifikation war beeindruckend: 36 Tore in 10 Spielen, ein Schnitt von 3,6 pro Match. Ramos führte mit neun Treffern, gefolgt von Ronaldo mit sieben und Leão mit sechs. Die Offensive ist breit aufgestellt, die Abhängigkeit von einem einzelnen Spieler geringer als früher. Defensiv blieb Portugal stabil — nur fünf Gegentore, davon zwei gegen die Slowakei.
Der Kader: Leão, Rafael Leão und die Post-Ronaldo-Ära
Rafael Leão ist der Spieler, auf den Portugal seine Zukunft baut. Der AC-Milan-Stürmer hat Tempo, Technik, Torgefahr — alles, was ein moderner Flügelspieler braucht. Mit 26 Jahren bei Turnierbeginn ist er im perfekten Alter, reif für die große Bühne. Seine Dribblings sind unberechenbar, sein linker Fuß tödlich, seine Bewegung ohne Ball intelligent. Leão auf dem linken Flügel ist Portugals gefährlichste Waffe.
Bruno Fernandes im Mittelfeld ist der kreative Motor. Der Manchester-United-Kapitän verteilt Bälle mit chirurgischer Präzision, sein Gespür für den tödlichen Pass ist legendär. In der Qualifikation bereitete er acht Tore vor, mehr als jeder andere Europäer. Fernandes mit 31 Jahren bringt Erfahrung und Führung, die diese junge Mannschaft braucht.
Gonçalo Ramos hat sich als Mittelstürmer etabliert. Der PSG-Spieler ersetzte Ronaldo bei der WM 2022 und erzielte gegen die Schweiz einen Hattrick. Seitdem hat er seinen Platz behauptet, ist zum Torjäger gereift, der Portugals Offensive anführen kann. Seine Bewegung im Strafraum ist instinktiv, sein Abschluss klinisch. Ramos ist keine Kopie von Ronaldo — er ist etwas anderes, vielleicht etwas Besseres für dieses System.
João Félix bleibt das Rätsel des Kaders. Das Wunderkind von einst hat sein Potenzial nie voll entfaltet, wechselte von Club zu Club auf der Suche nach Konstanz. Bei der WM 2026 wird er 26 sein — alt genug, um endlich zu liefern, jung genug für einen Durchbruch. Seine Technik ist unbestritten, sein Entscheidungsspiel manchmal fragwürdig. Trainer und Nation hoffen, dass bei diesem Turnier alles zusammenkommt.
Das Mittelfeld hat Tiefe. Vitinha von PSG ist der elegante Spielmacher, dessen Ballkontrolle an Iniesta erinnert. João Neves, obwohl erst 21, hat sich in Paris zum Stammspieler entwickelt. Rúben Neves bringt Erfahrung und Physis, kann das Spiel beruhigen, wenn nötig. Diese Optionen geben dem Trainer Flexibilität für verschiedene Gegnertypen.
Die Verteidigung ist Portugals Sorgenkind. Rúben Dias ist Weltklasse, wenn fit, aber Verletzungen plagten ihn. Pepe mit 43 Jahren bei Turnierbeginn ist eine Legende, aber kann er noch ein volles Turnier durchhalten? António Silva von Benfica ist das Talent der Zukunft, aber noch nicht auf höchstem Niveau getestet. Die Außenverteidiger — João Cancelo rechts, Nuno Mendes links — sind offensiv stark, defensiv manchmal anfällig.
Im Tor steht Diogo Costa, der sich als Nummer eins etabliert hat. Der Porto-Keeper hat starke Reflexe und ein modernes Spielaufbau-Verständnis. Bei der WM 2022 hielt er im Elfmeterschießen gegen Slowenien alle drei Schüsse — seine Nervenstärke ist bewiesen.
Die Kadertiefe ist beachtlich. Neben den etablierten Stars warten Talente wie Francisco Conceição (Flügel), Pedro Neto (Flügel) und Diogo Jota (Sturm) auf ihre Chancen. Diese Bank würde bei vielen Nationen die Startelf stellen. Die Breite im Kader gibt dem Trainer Optionen für verschiedene Spielsituationen und Gegnertypen. Wenn ein Stammspieler ausfällt, steht ein gleichwertiger Ersatz bereit.
Ein Generationswechsel prägt diesen Kader. Die Helden von Euro 2016 — Ronaldo, Pepe, Fonte — sind entweder gegangen oder am Ende ihrer Karriere. Die neue Generation um Leão, Vitinha und Neves übernimmt. Diese Übergabe birgt Risiken, aber auch Chancen: Eine junge Mannschaft kann befreiter aufspielen, ohne die Last der Vergangenheit.
Gruppe K: Portugal gegen DR Kongo, Usbekistan und Kolumbien
Die Auslosung brachte Portugal eine Gruppe mit einem echten Prüfstein: Kolumbien. Die Südamerikaner sind der Gegner, den niemand unterschätzen sollte. DR Kongo und Usbekistan sind machbar, aber nicht ungefährlich. Gruppe K erfordert Konzentration von Beginn an.
Kolumbien ist der gefährlichste Gegner. Luis Díaz und James Rodríguez führen eine talentierte Mannschaft an, die bei der Copa América 2024 das Finale erreichte. Die Kolumbianer spielen technisch anspruchsvollen Fußball, sind physisch stark, haben Turniererfahrung. Das Duell Portugal-Kolumbien ist das Highlight der Gruppe, ein Spiel, das über den Gruppensieg entscheiden wird.
Die DR Kongo bringt afrikanische Athletik und Überraschungspotenzial. Die Leoparden qualifizierten sich über die CAF-Playoffs, haben mit Chancel Mbemba einen Spieler, der in Portugal bekannt ist. Die Mannschaft wird kämpfen, wird physisch spielen, wird nichts verschenken. Ein Pflichtsieg für Portugal, aber kein Selbstläufer.
Usbekistan ist die Überraschung der Gruppe. Der zentralasiatische Vertreter qualifizierte sich erstmals für eine WM, bringt die Euphorie eines historischen Moments mit. Die Mannschaft spielt diszipliniert, taktisch intelligent, wird tief stehen und auf Konter lauern. Portugal muss geduldig sein, um diese Defensive zu knacken.
Meine Prognose: Portugal gewinnt die Gruppe mit sieben Punkten. Das Kolumbien-Duell endet unentschieden, DR Kongo und Usbekistan werden deutlich besiegt. Der Gruppensieg ist realistisch, aber Kolumbien könnte überraschen. Ein Stolperstart würde den Druck erhöhen.
Die Spieltermine verteilen sich interessant. Das Auftaktspiel gegen Usbekistan findet am 16. Juni in Seattle statt, gefolgt vom Kolumbien-Duell am 22. Juni in San Francisco und dem Gruppenfinale gegen DR Kongo am 27. Juni in Los Angeles. Die Westküsten-Route minimiert Reisestrapazen, das Klima im Juni ist angenehm. Portugal wird in Kalifornien sein Lager aufschlagen — mit seiner großen portugiesischen Community ein fast heimisches Gefühl.
Ein taktisches Detail: Kolumbien spielt einen Stil, der Portugal vor Probleme stellen könnte. Die Südamerikaner pressen hoch, sind physisch stark, haben individuelle Qualität im Konter. Luis Díaz gegen Portugals rechte Seite wird ein Duell der Schlüsselspieler. Das Ergebnis dieses Matches könnte über die Gruppenplatzierung entscheiden.
Portugal-Quoten: Außenseiter oder Geheimfavorit?
Die Buchmacher sehen Portugal als Außenseiter unter den Favoriten. Die Quote von etwa 15.00 auf den WM-Titel impliziert eine Wahrscheinlichkeit von etwa 7% — hinter den großen Sechs und auch hinter den Niederlanden. Diese Einschätzung unterschätzt meiner Meinung nach die Kaderqualität, berücksichtigt aber die Unsicherheiten um Ronaldo und die Defensive.
Der Gruppensieg liegt bei etwa 1.90, beeinflusst durch Kolumbien als Gegner. Das Weiterkommen steht bei 1.25, wahrscheinlich sicher. Die Langzeitwetten zeigen interessante Muster: Portugal im Finale bei etwa 7.00, Portugal Halbfinale bei etwa 3.50. Der Turnierbaum ist machbar — wahrscheinlich gegen Spanien oder Uruguay erst im Viertelfinale.
Leão als Torschützenkönig wird mit etwa 25.00 quotiert — eine Außenseiterwette mit Potenzial, falls er zum Star des Turniers wird. Fernandes bei etwa 35.00 für den besten Spieler ist riskanter, aber nicht unrealistisch. Ramos bei etwa 30.00 als Torschützenkönig bietet Value, sein Torriecher ist bewiesen.
Eine Wette, die ich beobachte: „Portugal erreicht mindestens das Viertelfinale“ bei etwa 2.20. Der Weg über Gruppe K und ein wahrscheinlich machbares Achtelfinale ist realistisch. Die Mannschaft hat die Qualität für mehr, aber erst muss die Gruppenphase gemeistert werden.
Für Langzeitwetter interessant: „Portugal erzielt mehr als 8 Tore im Turnier“ bei etwa 1.90. Die Offensive ist stark, die Gruppenphase bietet Gelegenheiten für hohe Siege. In der Qualifikation lag der Schnitt bei 3,6 Toren pro Spiel — selbst mit K.o.-Spielen sollten acht Tore machbar sein.
Die Quote auf „Leão wird zum besten Spieler gewählt“ liegt bei etwa 35.00 — eine Außenseiterwette mit hohem Gewinn, falls Portugal das Finale erreicht. Leão hat das Potenzial zum Star des Turniers, braucht aber eine tiefe Turnierphase, um in die Diskussion zu kommen.
Der Ronaldo-Faktor: Spielt CR7 noch eine Rolle?
Cristiano Ronaldo mit 41 Jahren bei Turnierbeginn — selbst für ihn eine Herausforderung. Seit seinem Wechsel nach Saudi-Arabien hat er die Champions-League-Bühne verlassen, spielt gegen Gegner, die ihn nicht auf WM-Niveau testen. Die Frage ist nicht, ob Ronaldo noch Tore schießen kann — das kann er zweifellos. Die Frage ist, ob Portugal mit ihm im Team besser oder schlechter ist.
Die Statistiken der Qualifikation deuten in eine Richtung: Portugal ohne Ronaldo war dynamischer, schneller, unberechenbarer. Das Team um Leão und Ramos presste höher, konterte schneller, spielte als Einheit statt als Zulieferer für einen Superstar. Diese Beobachtung ist heikel — niemand in Portugal spricht sie offen aus. Aber die Trainer und Spieler wissen, dass die Ära zu Ende geht.
Mein Eindruck: Ronaldo wird im Kader sein, aber nicht als Starter. Der Trainer wird ihn als Joker einsetzen, als Einwechselspieler für die letzten 20-30 Minuten. Diese Rolle könnte funktionieren — Ronaldos Erfahrung, seine Kopfballstärke, seine Präsenz im Strafraum sind auch von der Bank wertvoll. Aber ob Ronaldo diese Rolle akzeptiert, ist eine andere Frage. Sein Ego ist legendär, sein Anspruch auf die Startelf ungebrochen.
Die WM 2026 wird Ronaldos letztes großes Turnier sein — das steht außer Frage. Mit 41 Jahren wäre er der älteste Feldspieler in der Geschichte der WM-Endrunden. Dieses Vermächtnis treibt ihn an, aber es könnte auch belasten. Der Druck, einen würdigen Abschluss zu finden, liegt schwer auf seinen Schultern — und damit auf denen der gesamten Mannschaft.
Prognose: Portugals Turnierverlauf
Meine Einschätzung: Portugal erreicht das Viertelfinale, mit 40%-Chance auf das Halbfinale. Der Titelgewinn ist möglich, aber unwahrscheinlich — die aktuellen WM Quoten von 15.00 sind realistisch. Diese Mannschaft hat Qualität, aber auch offene Fragen, die erst im Turnier beantwortet werden.
Der mögliche Turnierverlauf: Gruppensieg vor Kolumbien, im Achtelfinale wahrscheinlich ein Dritter aus Gruppe H oder I — Tunesien, Irak oder Norwegen. Im Viertelfinale wartet Spanien oder Uruguay — hier wird es schwer. Gegen den Europameister hätte Portugal Außenseiterchancen, mehr nicht.
Ein Risikofaktor: die Ronaldo-Situation. Wenn CR7 akzeptiert, dass seine Rolle sich verändert hat, kann Portugal harmonisch funktionieren. Wenn er rebelliert, wenn er öffentlich seinen Unmut zeigt, könnte das die Stimmung vergiften. Die Kabinen-Dynamik wird entscheidend sein — und sie ist unvorhersehbar.
Mein konkreter Tipp: Portugal scheidet im Viertelfinale gegen Spanien aus — ein iberisches Derby, das La Roja durch mehr Kontrolle gewinnt. Die Seleção spielt ein solides Turnier, zeigt Ansätze der Post-Ronaldo-Ära, aber für den ganz großen Wurf reicht es noch nicht. 2030 bei der Heim-WM in Spanien und Portugal könnte die Stunde dieser Generation schlagen.
Für deutsche Fans bietet Portugal einen interessanten Gegner. Die Rivalität beider Nationen bei großen Turnieren hat Geschichte — das 4:0 im EM-Finale 2014, das 2:4 in der Nations League 2020. Ein mögliches Aufeinandertreffen im Turnierverlauf würde Erinnerungen wecken. Portugal ist der Typ Gegner, gegen den Deutschland gut aussieht — technisch stark, aber anfällig für physisches Pressing.