Wer in der Nacht auf den 2. Juli zwischen Vaduz und Balzers wach geblieben ist, hat WM-Geschichte gesehen. Nicht einmal, sondern gleich zweifach. In Seattle traf Youri Tielemans in der 120.+5. Minute per Elfmeter — es ist das späteste Tor, das je bei einer Männer-WM erzielt wurde (124:44 Minuten). Und in Atlanta schob sich Harry Kane mit einem Doppelpack an einer Legende vorbei. England, Belgien und die USA stehen im Achtelfinale — aber der Weg dorthin war an diesem Mittwoch alles andere als geradlinig. Hier die Bilanz der drei Sechzehntelfinal-Partien, eingeordnet für alle, die aus FL mitgefiebert haben.

England schlägt DR Kongo — und Kane überholt Pelé
Im Mercedes-Benz Stadium in Atlanta hat England seine Favoritenrolle bestätigt, aber nicht ohne Schrecksekunde. DR Kongo ging in der 7. Minute durch Cipenga in Führung — die erste WM-K.o.-Runde der Länder-Geschichte begann mutig. Doch dann übernahm Harry Kane: Zwei Treffer in der 75. und 86. Minute drehten die Partie zum 2:1 für die Three Lions.
Der zweite Kane-Treffer war der historische: Mit nun 13 WM-Toren zieht der englische Captain an Pelé (12) vorbei auf der ewigen Torschützenliste. (Zur Einordnung: Englands eigenen Rekord von Gary Lineker hatte Kane bereits am 27. Juni gegen Panama geknackt — der Sprung an Pelé vorbei ist die neue Marke.) England trifft im Achtelfinale am 5. Juli auf Mexiko — die ausführliche Vorschau folgt in unseren Prognosen, sobald das komplette Achtelfinal-Tableau steht.
Belgien dreht gegen Senegal — und schreibt die längste Aufholjagd
Die Partie in Seattle war das Spiel des Tages. Senegal führte durch Diarra (25.) und Sarr (51.) mit 2:0 — und hielt diese Führung bis zur 85. Minute. Dann kam Belgien: Romelu Lukaku verkürzte in der 86., Youri Tielemans glich in der 89. aus, und in der Verlängerung, tief in der Nachspielzeit, verwandelte derselbe Tielemans einen Elfmeter zum 3:2 (a.e.t.). Es ist die späteste Situation, in der ein Team bei einer WM noch mit zwei Toren zurücklag und die Niederlage abwendete.
Der Penalty selbst wurde nach dem längsten VAR-Check des Turniers gegeben — und war umstritten. Die Experten am Sky-Sports-Mikrofon waren sich einig, dass die Entscheidung hart war. Gary Neville sagte: «I don’t think it’s a penalty on the bar that’s been set in this tournament» («Gemessen am Massstab dieses Turniers ist das für mich kein Elfmeter»; Sky Sports, 1. Juli 2026). Und Roy Keane legte nach: «It’s very, very harsh» («Das ist sehr, sehr hart»; Sky Sports, 1. Juli 2026). Fakt bleibt: Belgien steht im Achtelfinale und trifft dort am 6. Juli auf die USA.
Die USA gewinnen zu zehnt — und verlieren Balogun für das Achtelfinal
Im Levi’s Stadium in Santa Clara schlugen die USA Bosnien-Herzegowina mit 2:0 — und das die letzte gute halbe Stunde in Unterzahl. Folarin Balogun brachte die Co-Gastgeber in der 45. Minute in Führung, sah aber in der 64. Minute nach VAR-Überprüfung die Rote Karte. Malik Tillman erhöhte in der 81. Minute per Freistoss auf 2:0 und machte den Sieg zu zehnt perfekt.
Der Wermutstropfen: Baloguns Platzverweis zieht eine automatische Sperre nach sich — er fehlt im Achtelfinale am 6. Juli gegen Belgien. USA-Coach Mauricio Pochettino verteidigte seinen Stürmer deutlich: «For me, never is it a red card» («Für mich ist das niemals eine Rote Karte»; ESPN, 1. Juli 2026) und ergänzte: «Never was there intention to step on the player» («Es gab nie die Absicht, auf den Gegner zu treten»; ESPN, 1. Juli 2026). Für Bosnien-Herzegowina endet die erste K.o.-Teilnahme der Länder-Geschichte im Sechzehntelfinale.
Was das für das Achtelfinal-Tableau bedeutet
Nach diesem Mittwoch ist die obere Bracket-Hälfte klarer. England spielt am 5. Juli gegen Mexiko, USA und Belgien treffen am 6. Juli aufeinander. Das ist für die Nati-Perspektive relevant: Die Schweiz spielt ihr eigenes Sechzehntelfinale erst in der Nacht auf den 3. Juli gegen Algerien — der Sieger landet in der unteren Tableau-Hälfte und würde einem möglichen England oder Mexiko frühestens im Viertelfinal begegnen. Wie sich der komplette Spielbaum sortiert, zeigt unsere Übersicht der Achtelfinal-Szenarien.
Aus FL-Sicht: die Quoten-Lehre des Tages
Für alle, die aus Vaduz oder Schaan gewettet haben, liefert dieser Tag eine klare Lektion: Kurze Favoritenquoten sind kein Selbstläufer. Belgien lag als Favorit bis zur 85. Minute mit 0:2 zurück — eine Doppelte-Chance- oder Live-Wette hätte hier mehr Nerven gekostet als eine ruhige Vorabendwette. Wer die Wettarten dahinter verstehen will, findet die Grundlagen bei den 1X2-Wetten und den Live-Wetten. Die Vorschau auf die heutigen drei Partien — Spanien gegen Österreich, Portugal gegen Kroatien und die Nati gegen Algerien — liefern wir separat.
Wie es aus Liechtenstein weitergeht
Heute Abend rollt der Ball weiter: 21:00 MESZ Spanien gegen Österreich auf SRF zwei, 01:00 MESZ Portugal gegen Kroatien, und mitten in der Nacht — 05:00 MESZ am 3. Juli — die Nati gegen Algerien in Vancouver. Wer die Anstosszeiten im Überblick behalten will, findet sie in unserer MESZ-Übersicht. Kafi bereitstellen, Wecker stellen, und für die Nachteule in Triesen gilt: SRF zwei überträgt, wir tragen die Bilanz morgen früh nach.