Es gibt Fussballabende, die schreibt niemand vor. Der 5. Juli 2026 war so einer. Wer in Vaduz, Schaan oder Triesen bis spät vor dem Fernseher sass, hat gleich zwei kleine Turnier-Erdbeben live erlebt: Brasilien, der fünffache Weltmeister, ist draussen — hinausgeworfen von Norwegen und einem entfesselten Erling Haaland. Und England hat im legendären Estadio Azteca ein irres 3:2 gegen Mexiko über die Zeit gerettet, am Ende mit nur zehn Mann. Das Achtelfinale der WM 2026 ist damit zu drei Vierteln durch — und aus FL-Sicht wird der Blick jetzt erst richtig spannend, denn morgen greift die Nati ein.

Haaland und der grösste Tag des norwegischen Fussballs
Lange sah es nach einer zähen, aber kontrollierten Brasilien-Nacht aus. Norwegen stand tief, verteidigte diszipliniert — und Ørjan Nyland hielt in der 13. Minute einen Foulelfmeter von Bruno Guimarães, den ersten Wendepunkt des Abends. Danach spitzte sich alles auf die Schlussphase zu. In der 79. Minute stieg Haaland nach Vorlage von Schjelderup zum Kopfball hoch und traf; in der 90. Minute legte er nach. Neymars Elfmeter in der Nachspielzeit war nur noch Ergebniskosmetik: Norwegen 2:1, Brasilien raus.
Für die Seleção ist es das früheste WM-Aus seit 1990. Für Norwegen ist es schlicht historisch — das erste Viertelfinale einer WM überhaupt. Haaland fasste es hinterher so zusammen: "This is just an insane day. It’s one of the most insane days in Norwegian history." (Das ist einfach ein Wahnsinnstag. Einer der verrücktesten Tage der norwegischen Geschichte.) Und typisch nüchtern schob der Stürmer nach: "I mean, it’s like things normally are. If I have a chance or two, then very often I score." (Es ist wie immer. Wenn ich ein, zwei Chancen kriege, dann treffe ich meistens.)
Brasiliens Trainer Carlo Ancelotti — für den die erste WM mit der Seleção schon im Achtelfinale endet — kündigte trotzdem an, weiterzumachen, und nannte das Aus den Beginn eines neuen Zyklus: "You just have to deal with it, deal with the sadness and the taste of defeat. I am very much used to this and we will handle this. We will use it as fuel going forward." (Man muss damit umgehen, mit der Traurigkeit und dem Geschmack der Niederlage. Ich bin das sehr gewohnt, wir kriegen das hin. Wir nutzen es als Antrieb.) Laut ESPN deutete Neymar nach dem Spiel an, dass seine WM-Karriere vorbei sein könnte.
England mit zehn Mann durch die Hölle von Mexiko-Stadt
Das zweite Drama lief im Estadio Azteca, dort, wo Mexiko in zehn WM-Spielen zuvor nie verloren hatte. England machte früh alles klar — oder glaubte das zumindest: Jude Bellingham traf zweimal innerhalb von 90 Sekunden (36. und 38. Minute), Harry Kane erhöhte per Foulelfmeter (60.). Doch Mexiko schlug zurück durch Quiñones (42.) und einen Jiménez-Elfmeter (69.), und als Jarell Quansah in der 54. Minute nach VAR-Studium die Rote Karte sah, wurde aus einem Spaziergang ein Überlebenskampf. England hielt das 3:2 mit zehn Mann über die Zeit — Mexikos erste WM-Heimniederlage überhaupt.
Bellingham, sichtlich mitgenommen, ordnete den Abend gross ein: „This is probably one of the biggest England wins in a while, probably the biggest one I can remember as a fan or player. The best night of my England career.“ (Das ist wohl einer der grössten England-Siege seit Langem, wahrscheinlich der grösste, an den ich mich als Fan oder Spieler erinnere. Die beste Nacht meiner England-Karriere.) Details zum englischen Turnierverlauf sammelt unsere Team-Seite zu England.
Das Viertelfinale nimmt Form an
Mit den beiden Ergebnissen steht das Viertelfinale 3 fest: Norwegen gegen England am 11. Juli in Miami — Haaland gegen Bellingham und Kane, Aussenseiter-Märchen gegen Turnierschwergewicht. Bereits zuvor war Marokko gegen Frankreich (QF1, 9. Juli, Foxborough) sicher. Es bleiben noch vier Achtelfinals: heute (6. Juli) Portugal–Spanien und USA–Belgien, morgen (7. Juli) Argentinien–Ägypten und — für uns das Wichtigste — Schweiz gegen Kolumbien.
Aus Liechtensteiner Sicht heisst das: Die Nati kann am Freitag im Viertelfinale auf den Sieger aus Argentinien–Ägypten treffen (QF4, 11. Juli, Kansas City). Wie die K.o.-Wege im Detail verlaufen, zeichnen wir laufend in den Achtelfinale-Szenarien nach.
Was das Brasilien-Aus für die Quoten bedeutet
Der Rauswurf des Rekord-Champions hat den Siegermarkt spürbar verschoben. Brasilien wurde aus den Titelquoten gestrichen. Frankreich bleibt mit einer Quote von rund 2.70 (FanDuel via FOX Sports, Stand 6. Juli 2026, 03:15 ET) klarer Favorit, dahinter Argentinien (5.40) und England (6.00), das durch den Mexiko-Sieg noch etwas anzog. Der grosse Gewinner am Wettmarkt heisst aber Norwegen: von weit hinten auf rund 17.0 heruntergehandelt — plötzlich ein realistischer Halbfinal-Kandidat. Die vollständige Titel-Übersicht führt die Seite WM-Siegerquoten 2026.
Auch das Rennen um den Goldenen Schuh hat der Abend umgeschrieben: Mit seinem Doppelpack zog Haaland auf 7 Turniertore gleich — und liegt damit gleichauf mit Mbappé und Messi an der Spitze. Am Wettmarkt bleibt Mbappé (rund 2.00) knapp vorne, Haaland verkürzte auf etwa 8.00. Mehr dazu in den Torschützenkönig-Quoten.
Wie FL-Fans jetzt weiterschauen
Der lange Fussballsommer geht nahtlos weiter. Heute Abend laufen zwei Achtelfinals: Portugal gegen Spanien um 21:00 MESZ und USA gegen Belgien in der Nacht um 02:00 MESZ. Übertragen wird wie gewohnt auf SRF zwei mit Schweizer Kommentar — der komplette Fahrplan steht auf unserer Seite WM aus Liechtenstein schauen. Und dann kommt der Freitag: Schweiz gegen Kolumbien um 22:00 MESZ, das erste Nati-Achtelfinal, das viele in der Region als eigenes WM-Spiel empfinden. Nach dem Wahnsinn vom 5. Juli gilt umso mehr: Bei dieser WM ist kein Favorit sicher — und genau das macht sie aus Vaduzer Sicht so gut anzuschauen.