Nati-Aus in Kansas City, England jubelt in Miami — die Viertelfinal-Nachlese

Updated Juli 2026
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Es gibt Tage, die in der Erinnerung kürzer werden, als sie waren. Der 11. Juli 2026 war ein solcher. In Miami stemmte Jude Bellingham England nach 120 dramatischen Minuten erstmals seit 2018 wieder in einen WM-Halbfinal, in Kansas City kämpfte sich die Nati bis in die Verlängerung — und schied dann doch aus, gegen den Weltmeister, mit einem Mann weniger auf dem Platz. Wer in Vaduz, Schaan, Triesen oder Balzers bis tief in die Nacht hineingeschaut hat, weiss: Es war keine Schmach, es war ein grosses Spiel, in dem am Ende die individuelle Klasse und ein Platzverweis den Unterschied machten.

Auf der linken Seite kniet ein Spieler im roten Trikot enttäuscht auf dem Boden, rechts jubelt ein argentinischer Spieler mit erhobenen Armen in die Menge — zwei Momente des 11. Juli unter Flutlicht.
Der 11. Juli in zwei Bildern: Die Nati am Boden in Kansas City, Argentinien im siebten Himmel.

Kansas City — Argentinien 3:1 Schweiz, nach Verlängerung

Im Arrowhead Stadium begann die Partie für die Nati mit dem schlechtesten möglichen Szenario: Alexis Mac Allister brachte den Weltmeister bereits in der 10. Minute in Führung. Die Nati liess sich nicht fallen — sie stabilisierte sich, arbeitete sich zurück ins Spiel und erzwang in der zweiten Halbzeit den Ausgleich. Dan Ndoye traf in der 67. Minute zum 1:1.

Dann die 72. Minute: Breel Embolo lief in den Strafraum, kam zu Fall, der Schiedsrichter zeigte zunächst Leandro Paredes die Gelbe Karte — bis die VAR-Überprüfung zeigte, dass Embolo schon vor jedem Kontakt zu Boden ging. Embolo selbst sah die zweite Gelbe, die Schweiz war ab der 72. Minute nur noch zu zehnt. In Unterzahl und mit einem zusätzlichen K.-o.-Spiel in den Beinen hielt die Nati das 1:1 durch die regulären 90 Minuten und wehrte sich auch in der ersten Hälfte der Verlängerung nach Kräften.

Dann kam, was kommen musste: Julián Álvarez traf in der 112. Minute zum 2:1 für Argentinien, und Lautaro Martínez setzte in der Nachspielzeit der Verlängerung (120.+1) den 3:1-Endstand. Argentinien steht nun im dritten WM-Halbfinal in Folge.

Miami — England 2:1 Norwegen, nach Verlängerung

Im Hard Rock Stadium in Miami Gardens lieferte das andere Viertelfinal des Tages eine eigene Dramatik. Andreas Schjelderup brachte Norwegen in der 36. Minute in Führung. Die Skandinavier spielten mit dem Selbstbewusstsein eines Aussenseiters, der nichts mehr zu verlieren hat. Doch England fand zurück: Jude Bellingham erzielte in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit (45.+2) den Ausgleich. Die Partie blieb danach eng — Norwegen stemmte sich gegen die englische Welle, England drückte, fand aber kein zweites Tor.

Es brauchte die Verlängerung. In der 93. Minute — drei Minuten nach Wiederanpfiff — war es wieder Bellingham, der einen Abpraller vom norwegischen Torhüter zum 2:1 verwertete. Es war sein zweiter Treffer des Abends, sein sechster im Turnier. England steht damit erstmals seit 2018 wieder unter den letzten Vier und trifft dort auf Argentinien. Für Norwegen endet damit der starke Lauf dieses Turniers.

Was bleibt für die Nati

Es ist kein einfacher Morgen danach für die Region. Die Nati verliert im Viertelfinal gegen den Weltmeister — in Unterzahl, in einem Spiel, das sie 70 Minuten lang offen gehalten hat. Aus FL-Sicht bleibt: Man hatte eine Mannschaft adoptiert, die in dieser WM mehr Charakter gezeigt hat als in vielen Jahren zuvor. Die Mannschaft hat sich in Kansas City nicht versteckt.

Was bleibt, ist die Einordnung dieses Abends. Die Schweiz hielt den Weltmeister bis zur Verlängerung bei 1:1, obwohl sie ab der 72. Minute nur noch mit zehn Spielern auf dem Platz stand. Dan Ndoye erzielte den Ausgleich, Breel Embolo sah nach der VAR-Prüfung Gelb-Rot. Mehr braucht es aus Vaduzer Sicht nicht, um Stolz und Enttäuschung nebeneinander stehen zu lassen.

Was bleibt für den Wettmarkt

Das Viertelfinal-Doppelpack vom 11. Juli hat den Markt unmittelbar verändert. Argentinien hat sich nach dem 3:1 gegen die Schweiz in der Bandbreite 5.00 bis 5.20 für den Titel eingependelt. England ist nach dem Einzug in den Halbfinal deutlich kürzer geworden — von 5.60 bis 6.54 vor dem Viertelfinal auf 4.10 bei FanDuel, während ESPN mit 5.90 deutlich zurückhaltender bleibt. Frankreich bleibt klarer Favorit, Spanien hat leicht nachgegeben (von 4.00 auf 4.30 bis 5.10), Argentinien ist stabil im 5er-Bereich.

Im Golden-Boot-Rennen hat sich die Spitzengruppe neu sortiert: Messi und Mbappé führen weiter mit 8 Toren, Bellingham ist mit seinem Doppelpack gegen Norwegen auf 6 Tore und damit in den äusseren Kreis der Anwärter gesprungen — die Buchmacher listen ihn bei rund 14.00. Harry Kane (6 Tore) folgt knapp dahinter, ein frischer Dezimal-Wert war zum Redaktionsschluss noch nicht bestätigt. Erling Haaland (7 Tore) ist nach Norwegens Aus aus dem Rennen, sein Konto bleibt eingefroren. Die offizielle Übersicht der Quoten führt die Seite WM-Siegerquoten 2026, die laufende Torschützenkönig-Quoten-Seite ergänzt das Bild.

  • Resultate 11. Juli: Argentinien 3:1 Schweiz (a.e.t.) — Mac Allister 10′, Ndoye 67′, Álvarez 112′, Lautaro 120+1′; Embolo Rot 72′ (Schwalbe nach VAR). England 2:1 Norwegen (a.e.t.) — Schjelderup 36′, Bellingham 45+2′ und 93′.
  • Halbfinal-Setzung: Dienstag, 14. Juli, AT&T Stadium, Arlington: Frankreich – Spanien (21:00 MESZ). Mittwoch, 15. Juli, Mercedes-Benz Stadium, Atlanta: England – Argentinien (21:00 MESZ).
  • Nati: WM-Viertelfinal in Kansas City endet nach 70 Minuten auf Augenhöhe und der Roten Karte. Der Weltmeister entscheidet die Partie in der Verlängerung.
  • Outright-Snapshot: Frankreich 2.35–2.50 Favorit; Spanien 4.30–5.10 (Konflikt); England 4.10–5.90 (Konflikt); Argentinien 5.00–5.20.
  • Golden Boot: Mbappé & Messi führen mit 8 Toren; Bellingham mit Doppelpack auf 6 (Quote 14.00); Kane 6 (Quote noch ausstehend); Haaland 7 eingefroren.

Stimmen nach der langen Nacht

Lionel Messi blickte nach dem 3:1 weniger auf die Schweiz als auf den kommenden Gegner. "It’s special to face the big national teams. I’ve never had the chance to play against England." (Es ist etwas Besonderes, gegen die grossen Nationalmannschaften zu spielen. Ich hatte noch nie die Möglichkeit, gegen England anzutreten.) Damit machte der argentinische Kapitän deutlich, welche historische Bedeutung das nächste Duell für ihn selbst besitzt: Mit 39 Jahren trifft er England erstmals in einem Pflichtspiel. Cristian Romero, der im Viertelfinal zur Pause der Verlängerung ausgewechselt wurde, sprach dagegen über die Belastung: "I hadn’t played for more than three months. The heat and everything made it difficult." (Ich hatte mehr als drei Monate nicht gespielt. Die Hitze und alles machte es schwierig.) Beide Aussagen passen zum Bild des Abends. Argentinien hatte die individuelle Klasse, die Partie in der Verlängerung zu entscheiden, musste dafür aber erneut 120 Minuten gehen. Für England gilt nach dem eigenen Verlängerungsspiel gegen Norwegen dasselbe: Der Halbfinal beginnt nicht bei null, sondern mit vielen Zusatzminuten in den Beinen.

Wie Liechtenstein weiterschaut

Nach dem 11. Juli und dem ruhigen 12. Juli geht es für die Region Schlag auf Schlag weiter: Dienstagabend (Frankreich – Spanien) und Mittwochabend (England – Argentinien) sind die nächsten Pflichttermine, beide um 21:00 MESZ, beide bequem von der Beiz in Schaan oder dem Sofa in Vaduz. SRF zwei überträgt beide Halbfinals live und mit Schweizer Kommentar; den kompletten Sende-Fahrplan und alle MESZ-Anstosszeiten hält die Seite WM aus Liechtenstein schauen, die SRF-Übertragungsübersicht liefert den grossen Rahmen. Wer noch einen Blick auf die vor dem Viertelfinal veröffentlichte Markt-Einordnung werfen will, findet sie im Wettmarkt vor dem Viertelfinal. Für die Nati gilt: Es war eine grosse WM, und das Ende in Kansas City war keine Schmach.